Wandern Reise Frankreich Provence Côte d'Azur
Höhenunterschied: 380 m
Höchster Punkt: 1642 m
Dauer: 3 h 30 min.
Orientierung: problemlos; überall gelb markiert; beschildert
Karte: IGN 3542 ET: Haut Estéron
Schwierigkeit: keine
Der Wetterbericht kündigt für diesen Morgen schönes Wetter an, am Nachmittag kann es wieder regnen. Im Grunde war der Wetterbericht die letzten drei Tage immer derselbe, und kurz nach 3 Uhr nachmittags hat es dann meist auch mehr oder weniger stark angefangen zu regnen. Es lohnt sich also mal wieder früh unterwegs zu sein.
Von Castellane nehme ich die D4085 (früher N85) Richtung Grasse bis nach Séranon. Von dort fahre ich über Caille nach Andon, wo ich zur Skistation von Audibergue hinauffahre. An der Skistation gibt es einen großen Parkplatz. Die Skistation liegt auf 1341 m Höhe, ich spare mir also eine Menge Höhenmeter im Gegensatz zum Anstieg von Andon und kann bereits jetzt die schöne Aussicht genießen. Das Wetter ist schön, auf der Hinfahrt sah es manchmal etwas bewölkt, zumindest dunstig aus, an der Station angekommen, ist das Wetter jedoch perfekt.
Ausgangspunkt an der Skistation
Um 9:30 laufe ich los. Ich laufe von der Skistation links den Hang entlang zum Kamm. Es führt hier zum Teil ein Weg, teilweise gehe ich auch Querfeld ein. Es ist hier kein ausgeschilderter Wanderweg, darum ist hier etwas Improvisation angesagt. Das Gelände ist offen, der Kamm ist gar nicht zu verfehlen. Während des Aufstiegs sehe ich zu meiner Linken die schneebedeckten Gipfel der Alpen. Beim Blick zurück sehe ich die Ausläufer von Andon und die Skistation.
Auf dem Kamm angekommen, bietet sich eine phantastische Aussicht. War der Aufstieg schon mit schönen Ausblicken mit auf die hinter mir liegenden Berge belohnt, so bietet sich jetzt der Ausblick auf die Côte d'Azur. Vor mir liegt in ca. 30 km Entfernung Cannes, ein wenig zu meiner Rechten liegt St. Raphael. Das Esterel Gebirge sowie der Lac de St. Cassien sind klar zu erkennen. Ich laufe auf dem Grat weiter Richtung Westen, links das Panorama der Cote d'Azur, rechts die schneebedeckten Berge der Alpen.
Der Aufstieg wird durch die Aussicht belohnt, die bis zu den Filmfestspielen nach Cannes reicht
Unten am Fuß der des steil nach Süden abfallenden Kamms liegt eine Bergerie, aber wo sind die Schafe? Knapp 200 Meter weiter sehe ich sie im Tal stehen, etwa 500 m weiter steht eine weitere Herde.
Wer nahe genug an den Abgrund herantritt, kann sie unten blöken hören. Am Kamm herrscht eifriges Vogelgezwitscher, aber von den Vögeln ist nichts zu sehen, wahrscheinlich verstecken sie sich in den wenigen Büschen und Bäumen, die hier auf dem Kamm stehen, der ansonsten ziemlich steinig und karg ist. Ich steige zur Audibergue auf, an der zwei Schlepplifte ankommen, und wandere dann weiter den Kamm entlang.
Auf der Montagne de l'Audibergue
Kurz vor Beendigung der Kammwanderung komme ich zum Sessellift de la Moulière. Zu meinem Erstaunen ist er heute im Betrieb. Ich habe mich schon bewundert, wo die vielen Leute auf der Audibergue herkommen. Normalerweise bin ich gewohnt, dass die Sessellifte an den Skistationen im Sommer höchstens zur Hauptsaison im Juli und August in Betrieb sind. Wie ich später erfahren werde, ist der Lift im Mai, Juni und September am Wochenende von 10 h bis 18 h im Betrieb, im Juli und August sogar die ganze Woche.
Der Lift wird neben einigen Wanderern hauptsächlich von Montainbikern genutzt. Auf dem Berg sind hier einige Strecken ausgewiesen. Ferner geht es in einigen halsbrecherischen Abfahrten durch den Wald steil ins Tal bergab. Da das Wetter schön ist, sind heute viele dieser Radsportler unterwegs.
Ja, wir sind mit'm Radl da
Bevor es wieder ins Tal zurückgeht, lohnt es sich noch einmal die Aussicht zu genießen. Vor mir liegt in virtueller Verlängerung des Kamms die Montagne de Lachens, ein für die folgenden Tage geplantes Wanderziel. Der Berg ist anhand der dort aufgestellten Pylonen einfach zu erkennen. Die table d'orientation erleichtert ebenfalls die Orientierung.
La Moulière
Man erkennt recht gut die Montagne de Cheiron, ein Berg, den ich bereits im letzten Jahr bestiegen habe. Es handelt sich ebenfalls um eine Wanderung, die um eine Skistation, nämlich die von Gréolieres-les-Neiges herumführt, allerdings etwas länger ist. In der Ferne ist der Cime de Diable zu erkennen, der noch unter Schnee liegt, und den ich bereits 2003 bestiegen habe. Oberhalb dieses Aussichtspunkts drehen ein paar Greifvögel ihre Kreise. Unten im Tal ist der kleine Weiler la Moulière mit einigen Chalets zu erkennen.
Exkurs: Montagne de Cheiron: Der Montagne de Cheiron ist ein Berg, der in der Nähe von Audibergue steht und gewisse Ähnlichkeiten mit der hier beschriebenen Wanderung hat. Er gehört zur Skistation von Gréolières-les-Neiges und bietet einen hervorragenden Ausblick auf die Côte d'Azur. Bereits im Jahre 2003, als ich 2 Wochen in Sospel gezeltet habe, wollte ich diesen Berg besteigen. Dabei ging leider alles schief. Zum einen war ich viel zu spät dran: die Anfahrt über das Hinterland von Nizza dauert doch ziemlich lange, zum anderen habe ich mich verlaufen. Im Juni 2009 habe ich den Berg endlich bezwungen und die Schmach war endgültig beseitigt.
Exkurs: Cime du Diable: Diesen Berg habe ich Jahr 2003 relativ spontan bestiegen. Ich hatte von diesem Berg bis dahin weder etwas gehört noch tauchte eine Wanderung dorthin in einem meiner wenigen Wanderführer auf. Vom Col de Turini aus führt eine touristische Straße auf einem Hochplateau im Kreis herum und ist ein Muss für alle Urlauber, die dort vorbeikommen. Als ich dann am Pointe de Trois Communes stand, habe ich den Berg entdeckt. Vom der Pointe de Trois Communes führte offensichtlich ein Wanderweg entlang eines Kamms geradeaus zu diesem Berg. Am nächsten Tag habe ich mir dann eine Karte von diesem Gebiet besorgt und habe dann den Teufelsberg erklommen.
Nachdem ich diesen Ausblick genossen habe, gehe ich wieder nach unten ins Tal. Parallel zur Seilbahn führt ein Weg zum Parkplatz am Fuße des Sessellifts. Unterwegs ist Vorsicht geboten, um nicht von einem Radler überfahren zu werden, die sich teilweise mit hoher Geschwindigkeit den Berg hinunter stürzen. Teilweise laufen die Abfahrten mitten durch den Wald und kreuzen den Gehweg, hier ist besondere Vorsicht geboten.
Im Tal angekommen, gehe ich über einen Waldweg zum Ausgangspunkt zurück, wo ich gegen 13 h ankomme.
Für die Rückfahrt entscheide ich mich etwas anders zu fahren. Zuerst kehre ich wieder nach Andon zurück. Von dort geht es über die D 79 und die D 5 zur D2 unterhalb von Thorenc. Auf der D 5 gibt es in 1248 m Höhe noch einen schönen Aussichtspunkt auf die dort umliegenden Berge.