Wandern Reise Frankreich Provence Côte d'Azur
Höhenunterschied: 600 m
Höchster Punkt: 370 m
Dauer: 5 h
Orientierung: problemlos; teilweise wäre es vorteilhaft, wenn die Markierungen etwas besser sichtbar wären. Teilweise gibt es Weggabelungen aber keine Markierung.
Karte: IGN 3346 OT: Toulon
Schwierigkeit: Hardcore, die Wanderung hat einige knackige Kletterpassagen
Heute Morgen ist es schön, der Himmel ist blau. Es ist der ideale Tag in die Gorges du Destel zu wandern. Wenn es die nächsten Tage regnet, gäbe es sonst keine Möglichkeit mehr diese Wanderung zu machen. Ich fahre um 8:40 nach Ollioules ab, und parke dort am Parkplatz am Place Paul Lemoyne. Es gibt hier zwar einige Parkplätze, jedoch ist die Auslastung des Parkplatzes doch ganz ordentlich. Wäre ich gestern als der Antiquitätenmarkt in Ollioules war hierher gefahren, wäre es unter Umständen schwierig für mich geworden, einen Parkplatz zu finden.
Ich gehe durch den Ort, um zum Ausgangspunkt der Wanderung in Bonnefort (53 m) bei der Brücke über den Fluss Reppe zu kommen. Dabei komme ich am Fremdenverkehrsbüro vorbei. Draußen hängt ein Wetterbericht, allerdings völlig veraltet vom Donnerstag letzter Woche. Um 9:30 bin ich schließlich da und beginne die Wanderung.
Heute habe ich als Wanderunterstützung und Test mein neues Garmin eTrex Vista HCx dabei. Am Vorabend habe ich bereits 9 Wegpunkte anhand der IGN Karte programmiert. Als ersten Wegpunkt gehe ich das Plateau de Taillan (232 m) an. Anhand der IGN-Karte ist dieser Punkt eigentlich ziemlich einfach zu finden. Mein Garmin Navi hat aber eindeutig Orientierungsprobleme. Zwar zeigt es gut die Entfernung zum Wegpunkt an und da ich mich kontinuierlich annähere, bin ich offensichtlich auf dem richtigen Weg, nur zeigt der Pfeil auf dem Kompass-Menu mit der Weg Richtung genau in die falsche Richtung. Das Navi sollte doch eigentlich wissen wo es langgeht? Knapp vor dem ersten Wegpunkt, finde ich eine Funktion zur Kalibrierung des Kompasses. Ich muss mich dazu 2-mal mit dem Navi um die eigene Achse drehen, und tatsächlich weiß das Gerät jetzt in welche Richtung wir laufen müssen.
Beim Aufstieg zum Plateau de Taillan kann ich nach Ollioules hinab sehen. Auf dem gegenüberliegenden Hügel liegt die Ruine der Burg von Ollioles. Als ich am Plateau de Taillan ankomme, macht das Navi einen kleinen Pieps, um mir zu signalisieren, dass ich am Wegpunkt angekommen bin. Da ich die Wegpunkte zu einer Route zusammengefasst habe, wählt das Gerät auch sofort den nächsten Wegpunkt an, der mich nach links wieder bergab in die Gorges d’Ollioules (75 m) führt. Das Wetter ist ziemlich warm, es weht auch kein Wind, so dass ich jetzt schon völlig durchgeschwitzt bin.
Ich gehe etwa 300 m in der Gorges d’Ollioules weiter. In der Schlucht verläuft auch die N 8 auf der anderen Seite des Bachs. Schließlich geht es rechts in die Gorges du Destel. Der Weg führt meist auf dem Bachbett entlang, darum ist klar, dass diese Wanderung nur bei trockenem Wetter gemacht werden sollte. Das Bachbett ist mit großen Felsbrocken gefüllt.
Am Anfang ist die Wanderung durch die Schlucht auch noch vergleichsweise einfach. Nach und nach kommen aber immer schwierigere Stellen. Teilweise sind Ketten gespannt, die den Aufstieg über die Felsstufen erleichtern sollen. Vereinzelt haben sich im Bachbett in dem durch den Bach ausgehölten Fels Tümpel gebildet. Kurz vor den Cuves du Destel geht es nicht weiter: senkrecht steigt das Bachbett an einem Strudeltopf hier mehrere Meter an. Ein großer gelber Pfeil zeigt nach rechts.
Hier zweigt ein Weg ab, mit dem die Cuves de Destel umgangen werden können. Weg? Habe ich Weg geschrieben? Naja, so ganz richtig ist das nicht. Es geht fast senkrecht den Fels hinauf. An einigen Stellen finden sich Seile bzw. Ketten, aber nicht alle Kletterpassagen sind so luxuriös ausgestattet. Ich muss mindestens 70 m quasi im free solo nach oben klettern. Oben angekommen geht es wieder bergab in die Schlucht. Von hier sieht man eine Straße oberhalb und auf der anderen Seite der Schlucht. Wahrscheinlich wird von hier der Schrott, den man in der Schlucht finden kann, abgeladen. Nach rechts führt ein Weg bergan, mit dem man den Rundweg abkürzen kann und am Höhenweg für den Rückweg ankommt.
Der Weg bergab enthält eigentlich keine Kletterpassagen mehr. Leider verpasse ich den korrekten Abzweig und gehe zu früh bergab. Hier muss ich teilweise bergab klettern. Der Schlucht Grund ist wieder in Sicht. Allerdings ist der letzte Abschnitt doch relativ weit um dort hinunterzuklettern. Ein Seil wäre hier hilfreich. Mit Mühe steige ich den Fels bergab, das letzte Stück verliere ich die Bodenhaftung und schlittere einen halben Meter bergab. Leider weiß ich noch nicht, dass ich hier falsch bin und in einem der Cuves de Destel hinabgestiegen bin. Hier führt nämlich kein Weg weiter. Die Wand ist zu hoch. Zuerst versuche ich seitlich an der Wand hoch zu klettern. Das ist allerdings zu schwierig, da ich keinen richtigen Halt mit den Händen finde. Außerdem hat der Fels einen leichten Bauch über den ich erst mal drüber kommen müsste. Alternativ bietet sich der Rückweg auf dem gleichen Weg an, es ist aber auch hier nicht ganz einfach herauszusteigen. Immerhin gibt es hier einen senkrechten Spalt im Fels an dem ich mich gut festhalten kann. Allerdings ist die Bodenhaftung meiner Wanderschuhe auf dem steilen und glatten Fels nicht optimal. Trotzdem schaffe ich es wieder nach oben.
Ich klettere weiter nach oben, bis ich an dem Abzweig ankomme, an dem ich eigentlich geradeaus hätte laufen müssen, anstatt in die Schlucht hinab zu klettern. Der Weg führt mich nun an der richtigen Stelle in die Schlucht hinab. Insgesamt wird die Wanderung durch die Schlucht deutlich schwieriger als noch vor den Cuves de Destel. Es kommen noch einige deftige Kletterpassagen bis ich am Eingang der Schlucht ankomme.
Nun geht es aber oberhalb der Schlucht auf relativ einfachen Wegen wieder zurück. Leider ist das Wasser ziemlich knapp. Wie bei jeder Wanderung habe ich 1,5 l Wasser dabei. Da die Wanderung anstrengend und schweißtreibend ist und auch kaum ein Wind weht, habe ich hier schon fast mein ganzes Wasser aufgebraucht. Ich muss deshalb leider bei der Rückwanderung mit dem Wasser haushalten. Ich mache unterwegs eine kurze Pause und esse etwas. Irgendwann stoße ich auf den GR 51 und komme schließlich wieder am Plateau de Taillan an. Ich laufe jetzt wieder denselben Weg hinab, den ich heute Morgen erklommen habe, um schließlich wieder in Ollioules herauszukommen.
Bei Rückweg komme ich wieder am Office de Tourisme vorbei, mittlerweile hängt hier ein aktueller Wetterbericht da. Leider verheißt die Prognose nichts Gutes: für die nächsten 2-3 Tage sind Sturm und Regen angekündigt. Am Auto angekommen, gibt es endlich wieder etwas zu trinken, die erste Halbliterflasche mit Wasser trinke ich auf ex und fange gleich eine zweite an. Auf dem Rückweg trinke ich auch die aus. Unterwegs halte ich noch am Casino-Supermarkt in le Beausset an und kaufe ein paar Kleinigkeiten ein, unter anderem ein Lineal, damit ich die Karten richtig vermessen kann, um die Wegpunkte optimal programmieren zu können. Eigentlich möchte ich noch Tanken, leider frisst die Tanksäule nur lokale Kartenprodukte. Die Kasse soll um 15:30 aufmachen, als ich um 15:39 mit meinem kleinen Einkauf fertig bin, ist die Kasse an der Tankstelle immer noch nicht besetzt. Ich habe es zum Glück nicht eilig, da ich noch ausreichend Sprit für die nächsten Tage habe, es wäre halt eine ganz günstige Möglichkeit zum Tanken gewesen.
Die Arbeit mit dem Garmin Navi hat sich trotz einiger Anfangsschwierigkeiten bewährt. Die Wanderung mit Hilfe der Wegpunkte funktioniert sehr gut. Zum ersten Mal weiß ich wenn ich an einem Punkt bin, dass ich tatsächlich dort angekommen bin und dass ich genau hier abzweigen muss. Die Bestimmung der Wegpunkte dank der IGN-Karte funktioniert auch sehr gut, die Präzision der 1:25.000 Karten ist dazu völlig ausreichend. Wenn ich in der Nähe eines Wegpunkts angekommen bin, ihn aber nicht genau erreiche und weiterlaufe, wählt das Navi automatisch den nächsten Wegpunkt an. Auch ohne Karte auf dem Display funktioniert das Wandern mit dem Navi ganz gut. Es ist allerdings auch klar, dass eine Wanderung und insbesondere die Wanderplanung noch einfacher werden, wenn das elektronische Kartenmaterial zur Verfügung steht. Möglicherweise kann man aus dem Internet Karten oder Wanderrouten für das Garmin herunterladen. Endlich machen jetzt auch Wanderbeschreibungen Sinn, in den steht „200 m vor Punkt xyz nach rechts abbiegen“. Nur mit dem Navi kann man wissen, dass es noch 200 m sind. Ohne Navi müsste man erst zum Punkt xyz gehen und dürfte dann die 200 m zum Abzweig wieder zurücklaufen.